Ergonomie am Arbeitsplatz

Fit und gesund durch effektive Arbeitsplatzgestaltung

Wer kennt es nicht, nach einem langen Arbeitstag am Schreibtisch schmerzt der Rücken, die Augen brennen und unangenehme Kopfschmerzen gesellen sich nicht selten dazu. Nacht der Arbeit fühlen Sie sich erschöpft und es fällt dann umso schwerer, sich noch für ein bewegungsreiches Freizeit- und Ausgleichprogramm zu motivieren.  Doch dem kann und sollte vorgebeugt werden. Die Lösung lautet: Ergonomie am Arbeitsplatz!

Immer mehr Arbeitgeber erkennen den Nutzen, der dahinter steckt. Die Arbeitsplatzgestaltung fällt nicht mehr nur nach Arbeitsschutzbestimmungen aus, sondern wird auch im Rahmen von Qualitätsmanagement  optimiert und an die Bedürfnisse der Mitarbeiter angepasst. Denn Arbeitgeber und auch Arbeitnehmer sollten gleichermaßen Interesse daran haben, dass der Arbeitsplatz so an die körperlichen und gesundheitlichen Bedürfnisse des Menschen angepasst sind, dass der Arbeitende keinen Schaden davon trägt und in seiner Leistungsbereitschaft gestärkt und gefördert wird. So profitieren die Unternehmen von Mitarbeitern, die weniger krankheitsbedingt ausfallen und effektiver Ihren Beruf ausüben können.

Die Arbeitnehmer wiederum setzen so ihre Gesundheit nicht aufgrund der Arbeit aufs Spiel und können neben der Arbeit Ihre Freizeit aktiver gestalten und gehen so ausgeglichener und motivierter durchs Leben.

Sollten Sie sich noch nicht mit dem Thema der effektiven Arbeitsplatzgestaltung auseinander gesetzt haben, dann informieren wir Sie nachfolgend über wissenswerte Fakten!

Was bedeutet Ergonomie in Hinsicht auf den Arbeitsplatz?

Das Wort Ergonomie bildet sich aus den griechischen Wörtern „ergon“ für „Arbeit“ und „nomos“ für „Regel oder Gesetz“ und steht für die Anpassung der Arbeitsbedingungen an die menschlichen Bedürfnisse. Daher wird die Ergonomie auch als „Arbeitswissenschaft“ oder als „Wissenschaft für die Gesetzmäßigkeit menschlicher Arbeit“ bezeichnet.

Durch sie sollte nicht nur ein gutes Arbeitsklima geschaffen werden, um die Arbeitseffizienz und Produktivität zu steigern, sondern auch die Arbeitsplatzgestaltung auf die gesundheitlichen Bedürfnisse ausgerichtet werden, sodass niemand zu Schaden kommt. Daher sollte die Arbeitsplatzoptimierung nicht nur als Verbesserung des direkten Arbeitsplatzes, wie dem Schreibtisch oder Maschine, verstanden werden, sondern alle Bereiche betreffen, die auf den Arbeitenden während der Arbeit einwirken. Dazu zählt die Anpassung folgender Bereiche:

  • Arbeitsplatz: Raumgestaltung, Möbel (z.B. Schreibtische, Stühle), Raumgröße
  • Arbeitsmaterial: jegliche Technik, Hilfsmittel, Werkzeuge
  • Arbeitsumgebung: Temperatur, Licht, Geräuschpegel
  • Arbeitsinhalte: vielfältige und abwechslungsreiche Aufgaben mit Belastungswechsel
  • Arbeitsorganisation: Arbeitszeiten, Abläufe, Pausen, Aufgabenerweiterung

Wenn dies gegeben ist, wird neben der Humanisierung der Arbeitsprozesse auch eine höhere Leistungsbereitschaft des gesamten Arbeitssystems erzeugt, die die Wettbewerbsfähigkeit jedes Unternehmens enorm steigert. Daher sollten gerade Arbeitgeber großen Wert auf die Umsetzung der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung legen!

Sind Arbeitgeber zur Ergonomie am Arbeitsplatz verpflichtet?

Nicht jedes Unternehmen verfügt über die finanziellen Mittel allen Anforderungen der Arbeitsergonomie gerecht zu werden, daher drücken sich die Arbeitgeber häufig vor der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben. Zudem erkennen viele Unternehmen den Nutzen der dahinter steckt nicht und legen keinen Wert auf die Arbeitsergonomie. Die Ergonomie des Arbeitsplatzes ist gesetzlich an verschieden Stellen direkt oder indirekt vorgeschrieben, so z.B.:

° Arbeitsstätten­verordnung (ArbStättV) § 3 Absatz 1 

„Beim Einrichten und Betreiben der Arbeitsstätten hat der Arbeitgeber die Maßnahmen nach § 3 Absatz 1 durchzuführen und dabei den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Hygiene, die ergonomischen Anforderungen (…) zu berücksichtigen.“

° Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) § 5

„(1) Der Arbeitgeber hat durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung zu ermitteln, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind. (…)

(3) Eine Gefährdung kann sich insbesondere ergeben durch

1. die Gestaltung und die Einrichtung der Arbeitsstätte und des Arbeitsplatzes,
2. physikalische, chemische und biologische Einwirkungen,
3. die Gestaltung, die Auswahl und den Einsatz von Arbeitsmitteln, insbesondere von Arbeitsstoffen, Maschinen, Geräten und Anlagen sowie den Umgang damit,
4. die Gestaltung von Arbeits- und Fertigungsverfahren, Arbeitsabläufen und Arbeitszeit und deren Zusammenwirken,
5. unzureichende Qualifikation und Unterweisung der Beschäftigten,
6. psychische Belastungen bei der Arbeit.“

Jedoch wird die Umsetzung der Vorgaben von staatlicher Seite nicht genügend kontrolliert, gerade nicht in Firmen wo normale Büroarbeit ohne hohe Gefahrenquellen verrichtet wird. Daher werden Sie Ihren Arbeitgeber auch nicht zwingend können, Ihnen einen ergonomischen Arbeitsplatz einzurichten. Die Gefahr einer Kündigung oder eines zerrütten Arbeitsverhältnisses wäre zu groß. Versuchen Sie lieber Ihren Arbeitgeber von den Vorteilen der effektiven Arbeitsplatzgestaltung zu überzeugen. Wenn dies nicht klappt, dann müssen Sie selbst aktiv werden und Ihren Arbeitsplatz wenigstens den Bedürfnissen anpassen, die Sie in der Hand haben. Dies sind vor allem die gesundheitlichen Aspekte der Arbeitsplatzgestaltung, da Sie höchst wahrscheinlich keinen Einfluss auf Raumgröße, Arbeitsorganisation oder die Arbeitsmaterialien haben. Eventuell eifern Ihnen dann auch Kollegen nach, sodass der Arbeitgeber dann gezwungen ist, über die Wichtigkeit und Vorteile der ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung nachzudenken und den eigenen Mitarbeitern zu ermöglichen.

5 Tipps, wie Sie selbst zu einer ergonomischeren Arbeitsplatzgestaltung beitragen können?

Langes Sitzen, falsche Haltung, schlechte Beleuchtung – dies sind einige Hauptauslöser für Erkrankungen, die am Arbeitsplatz erworben werden. Wir verbringen täglich mehr als acht Stunden am Arbeitsplatz. Gerade einseitige Bewegungsmuster, langes Sitzen und schlechte Positionierung von technischen Geräten sind die Ursachen für Verspannungen, Über- und Fehlbelastungen, die gerade unserem Bewegungsapparat schaden. Zahlreiche Rückenprobleme, Gelenks- und Nervenerkrankungen werden dadurch begünstigt. Hinzu kommt, dass wir uns auch in unserer Freizeit zu wenig bewegen und unserem Körper keinen Ausgleich bieten. Typische arbeitsplatzbedingte Symptome und Erkrankungen sind z.B.:

  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Nackenschmerzen
  • Schulterschmerzen
  • Beinschmerzen
  • Armbeschwerden
  • Sehstörungen
  • Bandscheibenvorfälle
  • Ischiasbeschwerden
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Erschöpfungszustände
  • Leistungsabfall

Um diesen Problem vorzubeugen, lohnt es sich den eigenen Arbeitsplatz auf die gesundheitlichen Bedürfnisse anzupassen. Denn was bringt Ihnen der Verdienst, wenn Sie stets erschöpft und krank sind und Ihre Freizeit nicht aktiv nutzen können? Daher geben wir Ihnen 5 hilfreiche Tipps, wie Sie Ihren Arbeitsplatz im Hinblick auf eine bessere Gesundheit und Leistungsbereitschaft ergonomisch verbessern können!

1. Korrekte Sitzhaltung

Gerade Ihre Wirbelsäule wird durch langes Sitzen stark beansprucht. Dies kann unangenehme Folgen für Sie haben. Über einfache Verspannungen über Schmerzen bis hin zu degenerativen Wirbelsäulenveränderungen. Gerade Bandscheibenvorfälle werden aufgrund von Fehl- und Überlastungen hervorgerufen. Dies kann wiederum Folgeerkrankungen, wie Ischiasbeschwerden, nach sich ziehen. Achten Sie daher stets auf eine korrekte Sitzhaltung, auch wenn diese anfänglich schwer einzuhalten ist und Ihnen komisch vor kommt.

So nehmen sie eine korrekte Sitzhaltung ein:

  • Aufrechte Sitzhaltung mit nach vorne gekippten Becken, Oberschenkel sind dabei leicht abfallend
  • Der Rücken ruht an der Rücklehne.
  • Die Knie sind im Winkel von 45-60° gebeugt.
  • Die Füße stehen fest und flach am Boden.
  • Die Beine haben genügend Beinfreiheit, um sie austrecken zu können.
  • Die Arme werden im Ellenbogengelenk im 90° Winkel angewinkelt.
  • Die Armlehne des Stuhls bildet eine Linie mit Tischkante (Sollten die Füße dadurch nicht den Boden erreichen, kann eine Fußstütze Abhilfe schaffen!)

2. Aktiv dynamisches Sitzen, kurze (Bewegungs-)Pausen, aktive Stundengestaltung

Um Überlastungen vorzubeugen und für Entspannungsphasen zu sorgen, sollten Sie immer wieder kurze Bewegungspausen durchführen. Sei es nur durch kurzes Aufstehen, Strecken, Räkeln oder Ausschütteln der Gliedmaßen. Wenn Sie längere Pausen haben, können Sie auch kurze Bürogymnastik in Ihren Arbeitsalltag einfließen lassen oder einen kurzen Spaziergang machen.

Zudem können Sie auch auf Ihrem Stuhl durch Haltungsänderungen aktiv und dynamisch sitzen. Dies ist besser als eine starre aufrechte Haltung beizubehalten. Dafür können Sie eine:

  • Entlastungshaltung mit auf dem Oberschenkel abgestützten Ellenbogen,
  • vordere Sitzhaltung mit abgestützten Armen auf den Schreibtisch,
  • zurückgelehnte Sitzhaltung durch eine mitgehende Rückenlehne,
  • Reitsitzhaltung mit gespreizten Beinen und abgestützten Ellenbogen auf der Stuhllehne einnehmen.

Zusätzlich können Sie die aktive Stundengestaltung nach der 40-15-5 Regel in Ihren Berufsalltag einbinden. Dabei Sitzen Sie 40 Minuten aktiv dynamisch. 15 Minuten werden im Stehen gearbeitet, wobei Ihnen ein ergonomischer Sitz-Steh-Schreibtisch behilflich seien kann. Danach folgt eine 5 Minuten-Pause, bei der Sie auch aktiv bleiben sollten.

3. Korrekte Position der technischen Hilfsmittel

Achten Sie auch darauf, dass technische Hilfsmittel, wie der Monitor, Maus und Tastatur in geeigneter Position aufgestellt sind. Dafür gilt:

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  • Handgelenke so positionieren, dass diese nicht abknicken
  • Tastatur sollte so flach wie möglich sein und nah am Körper aufgestellt werden
  • Maus direkt neben der Tastatur positionieren
  • Bildschirmoberkannte 15° unterhalb der Augenhöhe positionieren
  • Bildschirm hell genug einstellen
  • Bildschirm in „Armweite“ aufstellen, dabei gilt zu beachten: Je größer der Bildschirm, desto größer der Abstand! (Richtwert bei durchschnittlicher Größe: 60-80cm Entfernung)

4. Korrekte Arbeitsplatz-Beleuchtung

Eine schlechte Beleuchtung am Arbeitsplatz kann nicht nur zu Augenproblemen führen, sondern auch Kopfschmerzen und Verspannungen verursachen. Achten Sie daher immer auf eine an die Arbeitsbedingungen angepasste Beleuchtung. Dazu gehört:

  • hohe Kontraste, starke oder grelle Beleuchtung und zu wenig Licht vermeiden
  • gleichmäßige Beleuchtung aus Mix von Tageslicht, direkter und indirekter Beleuchtung erzeugen
  • blendfreie und verstellbare Beleuchtung einsetzen
  • Bildschirme parallel zum Fenster ausrichten
  • künstliches Licht sollte in seiner Stärke dem Tageslicht entsprechen

5. Einsatz Ergonomischer Möbel und Hilfsmittel

Es gibt speziell konzipierte ergonomische Möbel und Hilfsmittel, die den Alltag im Büro noch weiter optimieren. Diese sind genau an die Ansprüche der menschlichen Anatomie angepasst und wirken unterstützend und entlastend. Sie tragen dazu bei, dass Sie automatisch eine korrekte Position einnehmen und unterstützen damit Ihren Arbeitsalltag und Ihre Gesundheit. Es gibt z.B. ergonomische Mäuse, Tastaturen, Armstützen, Fußstützen, Monitorträger, Laptopständer, Sitzkissen, Stühle, Schreibtische uvm. Natürlich ist dies mit Anschaffungskosten verbunden. Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber. Zudem besteht auch die Möglichkeit einen „Antrag auf Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben G100“ bei der Rentenversicherung für eine „Erstattung- Bezuschussung ergonomischer Arbeits-und Hilfsmittel“ zu stellen. Dies gilt, wenn Sie gefährdet sind, nicht mehr am Arbeitsleben teilhaben zu können oder die Gefahr einer Erkrankung besteht, der präventiv vorgebeugt werden soll.

Fazit – Leistungsfähiger und fitter im Beruf und Alltag!

Die ergonomische Arbeitsplatzgestaltung sollte jedem wichtig sein, egal ob krank oder gesund, Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Letztendlich geht es um Ihre Gesundheit, die unter  Ihrem Beruf nicht leiden sollte! Auch wenn Ihr Arbeitgeber die Wichtigkeit und Vorteile der Ergonomie am Arbeitsplatz noch nicht erkannt haben sollte, dann haben Sie trotzdem die Möglichkeit einige Maßnahmen selbst umzusetzen. Darüber hinaus können Sie die aufgezeigten Verhaltensweisen auch in Ihr Alltagsleben integrieren. So beugen Sie nicht nur typischen Krankheiten, wie Rückenleiden, Ischiasbeschwerden oder Herz- Kreislauf- Erkrankungen, vor, sondern können noch leistungsfähiger und produktiver durchs Leben gehen!

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